Leopolis, Lwów, Lemberg, L’vov, L’viv - Eine Stadt mit vielen Namen:

 

Die Stadt der Löwen

 

Deutsche Version einer Drehbuchvorlage

basierend auf eine wahre Geschichte

von Eva Szybalski

 

Wochenschau: Am 19. April 1939 kündigt Hitler den deutsch-polnischen Friedensvertrag.

In der kosmopolitischen ostpolnischen Stadt Lwów erwacht das Leben in der Sonne eines warmen Frühlingstages. Die Blumen blühen, Kinder spielen, Mädchen lachen – und der 18-jährige polnische Abiturient JANEK BYSZEWSKI steht vor seinem selbst gebasteltem Chemielabor und arbeitet konzentriert an einer neuen "Erfindung".

Zur gleichen Zeit füllt sich der Hörsaal der biologischen Fakultät der Universität von Lwów. Professor RUDOLF WEIGL demonstriert unter Mitarbeit seines Assistenten PAWEL KOPECKI (24) die Herstellung von Fleckfieber-Impfstoff, eine wissen-schaftliche Errungenschaft, die der weltweit gefürchteten Krankheit Einhalt gebieten soll. Bemüht, seinem Mentor alle Ehre zu machen, injiziert Pawel in beeindruckender Geschwindigkeit Fleckfieberbakterien in 50 winzige Läuse.

Ihre Partie als Puccinis „Tosca" vor sich hinträllernd, wandelt die Operndiva TERESA BYSZEWSKA (43) durch ihr imposant ausgestattetes großbürgerliches Haus. Sie „schwebt" die Treppe hinauf, vorbei am ukrainischen Maler PJOTR OLESZCZUK, der gerade das Geländer streicht. Sie würdigt ihn keines Blickes. Herrisch betritt sie Janeks Zimmer. Sie verlangt von ihm, dass er seine Schwester Barbara bei deren neuen Freundin Jola Kopecki abholt. Janek will nicht gehen, weil er sein Experiment nicht unterbrechen kann. Auch sein Einwand: „Eines Tages werde ich den Nobelpreis gewinnen... " beeindruckt seine ungehaltene Mutter nicht. Sie duldet keine Widerrede.

An der Treppe ruiniert Teresa ihr Kleid am frisch gestrichenen Geländer. Sie schreit auf und beschimpft Pjotr, weil er sie nicht gewarnt hat. Als der Maler verbittert vor sich hinmurmelt, dass die Tage der polnischen Schikanen gezählt seien, lacht Teresa ihn schallend aus. Das harte CLACK-CLACK ihrer spitzen Absätze auf dem gebohnerten Holzparkett hört sich an wie eine laut tickende Bombe.

Das Seminar ist beendet. Pawel überquert das Universitätsgelände. Eine kleine Gruppe militanter polnisch-nationalistischer Studenten hängt Transparente an ein Gebäude, auf denen die Reduzierung jüdischer Studenten von der Uni gefordert wird. Pawel fängt eine hitzige Debatte mit einem von ihnen an und nennt ihn einen intoleranten Narren, der leider nichts aus der Geschichte gelernt habe.

HANIA, die „gute Seele" der Familie Byszewski, kauft auf dem örtlichen Markt bei der freundlichen ukrainischen Bäuerin WANDA KRANIK Zutaten für das an diesem Tag geplante Premieren-Festessen.

Übelgelaunt, weil er seine Schwester abholen muss, betritt Janek die „Kopecki-Apotheke". Als sein Blick jedoch auf die mit chemischen Substanzen gefüllten Porzellanbehälter fällt, verfliegt sein Unmut. Fasziniert schweift sein Blick über die Regale – seine Augen glänzen vor Freude. Dies ist ein wahres Paradies für ihn. Janek beeindruckt HERRN KOPECKI mit seinem Wissen in Chemie. Er erzählt von seinem bevorstehenden Experiment, bei dem geschütztes Natrium benötigt wird. Zu seiner großen Freude schenkt ihm der freundliche Apotheker ein kleines Packchen davon, bevor er ihn zu den Mädchen in der darrüberliegenden Wohnung schickt.

Doch dort findet er nur Jolas Bruder Pawel, der wie Janek auch in seiner Freizeit am liebsten über seinen Biologiebüchern brütet und erklärt, die Mädchen seien bei den Nachbarn. Janek erzählt, dass er im Herbst mit seinem Biologiestudium anfangen werde. Als er erfährt, dass Pawel Assistent bei Professor Weigl ist, nutzt er die Gelegenheit, um nach einer Beschäftigungsmöglichkeit in Weigls Institut zu fragen. Aber Pawel lacht den in seinen Augen „naiven" Erstsemestler nur aus. Janek reagiert aggressiv und stellt Pawel drohend in Aussicht, dass sie sich in Bälde wiedersehen würden – und zwar in Weigls Labor.

Wütend klopft Janek an die Tür der gegenüberliegenden Wohnung. Die hübsche 16-jährige LEA HELLER öffnet ihm die Tür – und bringt ihn völlig aus der Fassung und zum Erröten. Lea, die seine Verlegenheit bemerkt, grinst ihn selbstbewusst an. Verärgert über diese Blamage, geht Janek an seiner Schwester BARBARA und deren Freundin JOLA KOPECKA vorbei und will Leas Vater BENJAMIN HELLER begrüßen, der verstört aus dem Hinterzimmer kommt. Er hat gerade eine flammende Rede Hitlers im Radio gehört und möchte sich nun mit Janek über die beängstigende Zukunft Polens aussprechen. Janek schaut ihn jedoch nur verständnislos an. Da macht Lea eine verächtliche Bemerkung über Janek, der offensichtlich gar nicht begreift, was zur Zeit in Polen vorgeht. Janek fühlt sich zusehends unwohl, nicht zuletzt deswegen, weil er erst jetzt bemerkt, dass er sich bei einer jüdischen Familie aufhält. Er drängt seine Schwester zum raschen Aufbruch. Unten auf der Straße macht er ihr Vorhaltungen über ihre „neu entdeckte Sympathie für Juden".

Zu Barbaras Überraschung wird Janek plötzlich sehr freundlich, als sie ihren Vater, STEFAN BYSZEWSKI, treffen. Da er mit Professor Weigl befreundet ist, hat er ihm und seiner Frau SYBILA zwei Plätze für die heutige Premiere reserviert. Janek erzählt seinem prinzipientreuen Vater von Pawels Arroganz und bittet ihn, den Professor zu veranlassen, eine Stelle für ihn zu finden. Doch Stefan will nicht nur seine freundschaftlichen Beziehungen nicht ausnutzen, er sieht sich auch aufgefordert, seinem Sohn eine kurze Lektion über die „Unmoral von Vitamin B" zu halten.

Nach ihrer glanzvollen Darbietung in „Tosca" in der „Wielki Teatr" Oper fährt Teresa mit ihren temperamentvollen italienischen Gesangspartnern nach Hause, wo die Familie gemeinsam mit Professor Weigl, dem Hausarzt der Familie, DR. ROZWALDOWSKI, und Freunden den Premierenerfolg feiern. Als sich die Gäste nach Hanias exquisitem Dinner in den Salon begeben, beherrscht die aktuelle Politik die Gespräche. Teresa, die nach alter Familientradition Janek auf eine Reserveoffiziersschule schicken möchte, nutzt jede Gelegenheit, dieses Vorhaben in aller Öffentlichkeit zu verkünden. Janek, der sich nicht nur vor Waffen, sondern auch vor seiner Mutter fürchtet, flüchtet aus dem Zimmer. Im Flur sieht er Weigl, der gerade heftig mit einer Sängerin aus dem Opern-ensemble flirtet. Janek sieht hier seine letzte Chance. Unverblümt bittet er den Professor um eine Arbeitsstelle in dessen Institut. In dieser peinlichen Situation verspricht Weigl halbherzig, darüber nachzudenken, was sich machen lasse. Als Janek zu den Gästen zurückkehrt und vor allen erklärt, dass er nicht zur Reserveoffiziers-schule gehen, sondern an der Universität von Lwów Biologie studieren werde, weil er „für Polen als Wissenschaftler neue Grenzen in der Wissenschaft überschreiten wolle, anstatt sinnlos auf dem Feld zu sterben", möchte Stefan am liebsten vor Scham in den Boden versinken. Teresa aber glaubt ihren Ohren nicht und ist fassungslos.

Am nächsten Morgen muss Janek die Vorwürfe seiner Mutter wegen seines „unerhörten Verhaltens" am Vorabend anhören. Als seine Schwester Barbara sich ungefragt an diesem Gespräch beteiligt und Partei für Teresa ergreift, verrät Janek die Geschichte von Barbaras „neuer jüdischen Freundin". Wie erhofft, lenkt Teresa ihren Ärger auf Barbara und erinnert ihre Tochter, dass sie keine „sozial unakzeptablen" Bekanntschaften tolerieren werde. Wutentbrannt rennt Barbara in das Zimmer ihres Bruders und gießt den trüben Inhalt von drei frisch angesetzten Reagenzgläsern in einen Blumentopf. Janek schwört Rache.

Einige Tage später ist es soweit: Er führt Pawel die Wirkung seiner selbst gebastelten "Kopecki-Natrium-Bombe" an Barbaras geliebten Puppenhaus aus Kindertagen vor. Die Explosion ist ein voller Erfolg – selbst Pawel ist beeindruckt. Doch der Preis für diesen „wissenschaftlichen" Triumph ist hoch: Janek darf nicht -wie ursprünglich geplant- den Sommer über allein das Haus hüten, sondern muss die Ferien mit seiner Familie in Jurata auf der Halbinsel Hel verbringen. Und was noch schlimmer ist: Barbaras Freundin Jola wird mit dabei sein.

Der Sommer 1939 an der Danziger Bucht könnte nicht schöner sein. Barbara und Jola vergnügen sich am Strand, Teresa und Stefan genießen die Abende im Zoppoter Casino und tanzen auf dem schummrig beleuchteten Glasboden. Nur Janek, den Nacht für Nacht erotische Träume von Jola heimsuchen, schließt sich tagsüber mit seinen Büchern in sein Zimmer ein. Immer wenn er Jola in ihrem aufreizenden geblümten Badeanzug sieht, erinnert er sich, dass ihr Bruder sein Widersacher ist. Und dies motiviert ihn ungemein weiter zu studieren.

Von dem bevorstehenden deutschen Überfall auf die Westerplatte, nur wenige Kilometer von der Danziger Bucht entfernt, scheint nur Stefan etwas zu spüren. So weist er Hania Ende August, trotz Teresas Protest, an, die Rückreise früher als geplant vorzubereiten. Der einzige, der sich darüber freut, ist Janek. Er kann es kaum erwarten, bis das Semester beginnt.

 

Der Zweite Weltkrieg

Wochenschau: Am 1. September 1939 überfallen Hitlers Truppen Polen. Bomben fallen.

Lwów ist im Ausnahmezustand. Stefan bereitet den Schutzkeller vor. Teresa übernimmt zuhause „das Kommando" und schickt Hania und die Kinder los, um Vorräte zu beschaffen.

Wochenschau: Während der ersten Septemberwoche ist die Stimmung in Lwów noch zuversichtlich, da Frankreich und England Hitler den Krieg erklärt haben.

In Lwów wird zwar die Oper geschlossen, doch die jährlich stattfindende „Internationale Ostmesse" wird eröffnet. Trotz der Luftangriffe macht sich die kämpferische Teresa schick und geht auf die Messe, wo sie „Kriegsvorräte" wie Lachs, ungarische Salami und belgische Schokolade kauft.

Wochenschau: Die Deutschen bombardieren die Stadt. Die Sirenen heulen.

Die Bomben machen Janek große Angst. Vor nichts graut ihm mehr als vor diesen endlos langen Stunden im Schutzkeller, wo er auf engem Raum mit seiner Familie verbringen muss. Teresa lässt ihrerseits keine Gelegenheit aus, um ihre Verachtung gegenüber Janeks „unpatriotischem und ängstlichem Verhalten" zu äußern. Um sich abzulenken, lernt Janek wie besessen.

Eines Tages überfallen Janek klaustrophobischen Beklemmungen und er rennt, entgegen aller Warnungen, auf die Straße. Nur knapp entkommt er einer Explosion. Doch als er dann zum ersten Mal in seinem Leben einen Toten sieht, überkommt ihn blinde Panik. Er versteckt sich hinter eine Häuserwand – weil er weinen muss.

Wochenschau: Drei Wochen lang kämpft die polnische Armee, aber als die sowjetischen Truppen entsprechend des Hitler-Stalin Pakts von Osten her angreifen, bröckelt ihre Abwehr. Die polnischen Verbände ziehen sich nach Rumänien und Ungarn zurück, wo Stalins Armeen sie fatalerweise abfangen. Zehntausende polnischer Soldaten und Offiziere werden verhaftet und später umgebracht.

Teresa ist ziemlich desillusioniert und hofft jetzt nur noch auf die Rettung durch die Alliierten. Als sie erfährt, dass ihre Eltern bei einem Bombenangriff umgekommen sind, erklärt sie „allen Feinden Polens" persönlich den Krieg und verwandelt die Wohnung in eine „Herberge für Verfolgte". Dr. Rozwaldowski, dessen Haus von einer Bombe teilweise zerstört wurde, ist der erste, der einzieht. Barbara muss ihr Zimmer räumen und zu Janek ziehen, der gezwungen wird, sein Labor abzubauen. Ein paar Tage später quartiert ihn seine Mutter ins Wohnzimmer um, wo schon sein nun arbeits-los gewordener Vater auf der Couch schläft. Janek ist wütend und fühlt sich zu Hause unerwünscht, insbesondere weil Teresa dort quasi als „General" alle herumkomman-diert. Daher geht Janek ins Institut, um Weigl an sein Versprechen zu erinnern.

Unglücklicherweise wird Janek dort an Pawel verwiesen, der grinsend Janek eine Arbeit als sogenannten „menschlichen Läusefütterer" findet. Janek wird ganz blass, als Pawel ihm mehrere „Läusekäfige" um seine Beine schnallt. Während einer „Fütterungszeit" von täglich 45 Minuten saugen die Läuse durch das feine Gitternetz sein Blut. Aufgrund dieser von Professor Weigl entwickelten Methode ist es möglich, einen hoch wirksamen Fleckfieber-Impfstoff herzustellen. Janek wird richtig übel, als Pawel erklärt, dass neben einer leichten Hautrötung auch allergische Reaktionen auftreten können. Deren Beseitigung sei gegenwärtig Schwerpunkt seiner Forschungsarbeit. Bei dem Stichwort Forschung horcht Janek auf. Angesichts der Alternativen zu Hause, nimmt er, zu Pawels Überraschung, den Job an.

Wochenschau: Am 22. September 1939 marschiert die Rote Armee in Lwów ein. Singend fordern die armseligen sowjetischen Soldaten die Bevölkerung auf, sich „gegen den Feudalismus" aufzulehnen und sich der „polnischen Unterdrücker" zu entledigen.

Entsetzt beobachtet Janeks Familie den Einmarsch vom Fenster aus. Teresa ist angewidert von der Ankunft dieser „Primitivlinge". In der randalierden Menge erkennt sie den Hausmaler Pjotr. Dr. Rozwaldowski kehrt wieder nach Hause zurück, weil ihm der „russische Umgang mit Besitztümern" Sorge bereitet.

Wochenschau: Die Situation in Lwów ändert sich: Die Regale in den Geschäften sind leer geräumt, und die Stadt schwillt an mit polnischen und jüdischen Flüchtlingen aus dem westlichen, nun von Nazi-Deutschland besetztem Teil Polens.

Unter den Flüchtlingen befinden sich auch Janeks ZWEI TANTEN aus Radom, die Teresa sofort bei sich aufnimmt. Barbara hat sich inzwischen damit abgefunden, dass sie als „Schwarzmarkt-Spezialistin" für die Versorgung der wachsenden und verwöhnten Familie ständig unterwegs ist.

Zur „Finanzierung" der benötigten Nahrungsmittel verschwinden nach und nach die wertvollen Familienstücke von den Wänden und aus den Schränken. Als Gegenleistung für ihre Arbeit erhält Barbara unentwegt Lob von ihrem Vater. Es bereitet ihm Sorge mitanzusehen, wie das Lachen seiner Tochter zunehmend verschwindet.

All diese Veränderungen scheinen jedoch keinen Eindruck auf Janek zu machen. Inzwischen wurde er zum „Läuse-Injizierer" befördert. In der verbleibenden Zeit bereitet er sich auf die von den Sowjets zusätzlich eingeführte Universitäts-Eingangsprüfung vor.

Trotz der höheren Punktzahl, die er als „Bourgeois" im Vergleich zu den Vertretern des Arbeiter- und Bauernvolkes erbringen muss, besteht Janek die Eingangsprüfung. Er eilt mit der Nachricht über seinen Erfolg nach Hause, doch dort hat er niemanden mit dem er seine Freude teilen könnte. Frustriert lässt er die Großmutters wertvolle Porzellanschüssel fallen. Die Familie starrt entsetzt auf die Scherben: Barbara hätte für das gute Stück Nahrungsmittel für eine Woche eintauschen können. Teresa schickt ihn schimpfend aus dem Raum.

Voller Selbstmitleid begibt Janek sich ins Institut, wo er Weigls irritierte Ehefrau Sybila vorfindet. Sie hat warmes Essen für ihren Mann mitgebracht, da er zum wiederholten Male bis spät in den Abend hinein arbeiten muss, aber er ist nicht zu finden. Sybila bemerkt Janeks hungrigen Blick und überlässt ihm Weigls Mahlzeit. Janek mag diese fragile und liebenswürdige Frau, die das genaue Gegenteil seiner Mutter ist. Während Janek das Essen hinunterschlingt, erzählt er von seiner herzlosen Familie. Sybila hört ihm abwesend zu und streichelt sein Haar. Nach dem letzten Bissen umarmt er sie, froh, endlich jemanden gefunden zu haben, der für ihn Verständnis hat.

Das Institut wird täglich von neuen Gruppen russischer Wissenschaftler besucht. Weigl braucht dringend einen Übersetzer. Er bittet Stefan, der im geteilten Polen unter der russischen Besetzung aufgewachsen ist und daher die Sprache hat erlernen müssen, als sein persönlicher Dolmetscher zu arbeiten. Der seit Kriegsausbruch arbeitslose Ingenieur kann sein Glück nicht fassen: Unter Weigls Obhut weiß er und seine Familie in Sicherheit. Froh, täglich für einige Stunden seinem Zuhause entfliehen zu können, verbringt Stefan nun so viel Zeit wie möglich im Labor. Darüber freut sich auch Janek. Ohne Unterlass versucht er, seinen Vater mit seiner Forschungsarbeit zu beeindrucken, in der Hoffnung seine Liebe und Aufmerksamkeit wiederzugewinnen.

Im Februar 1940 besucht der „Erste Sekretär der Kommunistischen Partei der Ukraine", NIKITA CHRUSCHTSCHOW, das Institut. Hinter verschlossenen Türen bietet Chruschtschow Weigl ein eigenes Institut in Moskau an, versehen mit allen Privilegien und unbegrenzten Forschungsmöglichkeiten. Aus Angst, seinen Beschützer zu verlieren, wirft Stefan seine Prinzipien über Bord und „schwächt" die Offerte in der Übersetzung stark ab. Doch als Weigl nicht nur das lächerliche Angebot sofort ablehnt, sondern tollkühn im Gegenzug den offiziellen Schutz aller Mitarbeiter des Instituts und deren Familien fordert, bekommt Stefan Angst. Eine Katastrophe fürchtend, übersetzt er stotternd Weigls Antwort. Stefan traut seinen Ohren kaum, als Chruschtschow Weigls Forderung - unter gewissen Bedingungen – akzeptiert.

Während Stefan vor Scham über sein egoistisches Benehmen krank wird, verdoppelt Janek, inspiriert durch Weigls Einsatz für das Institut, seine Bemühungen, diesen, sein Vorbild, zu beeindrucken. Als er eine Möglichkeit sieht, gesunde Läuse von kranken zu isolieren, eilt er in Weigls Büro. Er überrascht Weigl, als dieser gerade seine stets präsente hübsche Assistentin ANNA BALINOWNA (25) innig küsst. Ohne von den beiden bemerkt zu werden, zieht Janek sich zurück. Er ist zwar über diese Entdeckung entsetzt, doch seiner Verehrung für den Professor vermag dieses Erlebnis keinen Abbruch zu tun. Es scheint ihm ganz klar, dass Anna den Professor überrumpelt und verführt haben muss.

Wochenschau: Im März 1940 rollen nachts schwere LKWs durch die Straßen. Alle wissen, dass mit diesen Transporten Deportationen durchgeführt werden.

Während Janek sein Kissen über den Kopf zieht und zu schlafen versucht, versammeln sich die übrigen Bewohner des Hauses am Fenster. Dr. Rozwaldowski ist bereits verhaftet worden, und man fürchtet schon das Schlimmste.

Ein LKW hält vor der Kopecki-Apotheke. Soldaten betreten das Haus. Kurze Zeit später führen sie Herrn Kopecki heraus. Ein Soldat stößt ihn brutal mit seinem Gewehr auf den Lastwagen.

Die Verhaftung von Vater Kopecki löst Panik bei allen aus. Pawel kann seine Angst nicht verbergen. Er geht zu Professor Weigl und bittet ihn um Hilfe. Dieser versucht seine Beziehungen zu nutzen, doch ohne Erfolg. Im Institut versucht Weigl, die sowjetischen Besucher so weit wie möglich von Pawel fern zu halten. Janek beobachtet, wie schwer es seinem Freund fällt, seine Wut zu bändigen, wenn er jemanden russisch sprechen hört.

Wochenschau: Im Frühjahr 1940 erhalten die polnischen Einwohner von Lwów ihre neuen (sowjetischen) Ausweise - als Ergebnis einer "fingierten" Wahl im vergangenen Herbst, anlässlich derer „angeblich" alle Bürger für die sowjetische Staatsbürgerschaft gewählt haben sollen.

Teresa steht in einer langen Schlange vor dem Stadtamt und kocht vor Wut über diese Erniedrigung. Der uniformierte Beamte, der ihr mit einer zynischen Bemerkung den neuen Pass überreicht, gibt sich als der ehemalige Hausmaler Pjotr Oleszczuk zu erkennen. Teresa verliert die Kontrolle und beleidigt ihn.

In der folgenden Woche erfahren die Byszewskis, dass sie aufs Land zwangsumge-siedelt werden sollen. Teresa fürchtet das Schlimmste und gerät in Panik. Sie fleht ihren Mann an, Weigl um Hilfe zu bitten. Wieder muss er seine Prinzipien vergessen. Dank Weigls Einfluss wird die behördliche Anweisung zurückgezogen. Janek spürt, wie ungern sein Vater bei jemand anderem in der Schuld steht und verspricht Stefan, in seinem Namen alles wiedergutzumachen.

Unheil bahnt sich wieder im Hause Byszewski an, als der Russe WLADIMIR ZABUTIN als Direktor des Fleckfieberinstituts in Lwów auftaucht und bei ihnen einzieht. Weigl, der durch die Präsenz eines russischen „Kollegen" nun seinen persönlichen Dolmetscher nicht mehr rechtfertigen kann, ernennt Stefan kurzerhand zum „Leiter des Institut-Autoparks". Dankbar versucht Stefan, das Beste aus dieser wenig anspruchsvollen Tätigkeit zu machen.

Nach wie vor tut Janek alles, um den Krieg zu ignorieren. So stellt er am Ende des ersten Semesters zufrieden fest, wie sehr sein Selbstvertrauen durch die Erfolge an der Uni und im Labor gewachsen ist. Nur wenn Lea in seiner Nähe ist, wird er nervös.

Wochenschau: In der Nacht vom 11/12. April 1940 fahren die LKWs wieder durch die Straßen. Es ist bitterkalt.

Als ob er das kommende Unglück spüren könnte, kann Janek in dieser Nacht kann das unheilvolle Rumpeln der LKWs nicht verdrängen.

Und tatsächlich: In einem der Lastwagen sitzt Familie Kopecki. Die weinenden und frierenden Festgenommenen werden als „menschliche Fracht" in unbeheizte Viehwaggons getrieben. Drei qualvolle Tage ohne Nahrung folgen, bevor die Reise in die Deportation nach Kasachstan und Sibirien beginnt. 40% dieser Menschen werden diese Fahrt nicht überleben.

Als Janek am nächsten Morgen Pawel nicht bei der Arbeit findet, überkommt ihn eine schreckliche Vorahnung. Von Angst getrieben, rennt er zur Apotheke. Die Wohnung ist verschlossen. Auf dem Dachboden findet er Lea. Schluchzend erzählt sie, dass die Familie in der Nacht deportiert worden sei. Von der Tragik der Ereignisse überwältigt, nimmt Janek Lea in seine Arme und hält sie fest umschlungen.

Die Deportation der Familie Kopecki bringt Janeks seelisches Gleichgewicht ins Wanken. Er fühlt sich hilflos und verloren und hofft, dass Lea ihm irgendwie helfen werde. Aus Angst vor seiner Mutter, erzählt er keinem von seinem beabsichtigten Besuch zu Lea. Das tragische Ereignis hat eine Nähe zwischen diesen beiden jungen Menschen erzeugt, die jedoch schnell wieder verfliegt: Janek kann nicht mit Leas emotionsgeladenen Ängsten und Sorgen umgehen. Verschämt verlässt er Lea, weil er ihre Hoffnung, dass er nun seine unverständliche Passivität und Gleichgültigkeit überwunden habe, enttäuschen muss.

Janek versucht, seinen Schmerz in der vertrauten und sterilen Umgebung des Labors zu vergessen. Weigl versucht sein Bestes, die Kopeckis zurückzuholen, doch Sibirien ist weit. Um möglichst schnell einen Zustand der „Normalität" wiederherzustellen, überträgt er Janek Pawels Projekt. Dieser ist nur zu froh über die Mehrbeschäftigung und ist stolz, nun Weigls erster Assistent zu sein, wenn auch leider seiner bevorzugten Assistentin Anna nachgestellt.

Wochenschau: Im April 1940 kommt eine deutsche Umsiedlungskommission nach Lwów, um Deutschstämmige „heim ins Reich" zu holen, und Polen aus dem westlichen Teil Polens zur Rückkehr zu bewegen.

Leas Eltern können es nicht fassen, dass Leas ONKEL DAVID sich auf die Liste der „freiwilligen Rückkehrer" hat setzen lassen. Wie viele andere jüdische Bewerber will er den Schauermärchen über die Nazis keinen Glauben schenken. Für ihn ist entscheidend, wegzukommen von den inhumanen Sowjets und den Polen, die zunehmend ihren Hass gegenüber polnischen Juden zeigen. Wie sein Schwager Benjamin leidet auch David, der sich als Pole fühlt, unter dem Vorurteil der Polen, dass alle Juden mit den Besatzern kollaborieren.

Die Kommission lehnt fast alle jüdischen Anträge ab. David ist enttäuscht, dass man ihn nicht „heim ins Reich" holen will. Doch kaum sind die Nazis wieder fort, bemächtigen sich die Sowjets der Ausreiselisten und deportieren David stattdessen nach Sibirien. Die Familie Heller steht unter Schock.

Wochenschau: Ein paar Wochen später ändert sich die Lage in Lwów. Die Sowjets beginnen, ukrainische Nationalisten zu verhaften.

Mit Schadenfreude erfährt Teresa, dass auch der ehemalige Maler Pjotr mit Tausenden anderer Ukrainer in einem der von Polen völlig überfüllten Gefängnisse sitzt.

Janek kann sein Glück kaum fassen, als Weigls Bemühungen um die Kopecki Familie endlich fruchten. Als er von Pawels Heimkehr erfährt, lässt alles liegen und stehen und eilt zur Wohnung der Familie Heller. Entsetzt findet er Pawel, Lea und ihre Eltern weinend vor: Pawels Vater ist im Gefängnis gestorben, und Pawel ist von der Zwangsarbeit körperlich in so schlechter Verfassung, dass er sich nur mit Schmerzen bewegen kann. Da die Wohnung der Familie Kopecki von einem sowjetischen Offizier besetzt ist, bietet Janek ohne zu zögern, „seinem besten Freund" seine Hilfe und sein Zuhause an. Pawel nimmt dankbar das Angebot an.

Wochenschau: Am 22. Juni wirft Hitlers Luftwaffe Bomben über sowjetisch-besetzte polnische Gebiete ab. Dies leitet den Rückzug der Sowjets ein. Bevor die Besetzer Lwów endgültig verlassen, metzeln sie in einem Blutbad 12.000 Einwohner nieder.

Sobald der Terror vorbei ist, ziehen Janek und Pawel in die ehemalige Kopecki-Wohnung, die mittlererweile geräumt worden ist. Janek ist froh, endlich von zu Hause auszuziehen. Barbara kann ihre Wut nicht verbergen. Sie fühlt sich von ihm im Stich gelassen. Sein Angebot, sie mitzunehmen, lehnt sie energisch ab. Sie kann ihren Vater nicht mit der Mutter alleine lassen.

Wochenschau: Kurz darauf marschieren österreichische Gebirgsjäger in Lwów ein, denen drei Tage später die Gestapo folgt und zur „Niederschlagung der bolschewistischen Juden" aufruft. Sie werden von den Ukrainern begrüßt, die sich nun mit der Plünderung von Fabriken, Geschäften und jüdischen Häusern rächen.

Pawel wird sehr krank und liegt den ganzen Tag mit Fieber im Bett. Aus Sorge über Leas Befinden stattet Janek ihr allein einen Besuch ab. Als Lea die Tür öffnet, erschrickt er. In dem Gesicht der sonst so selbstbewussten Lea steht Angst geschrieben. Zum ersten Mal wird in ihm der Beschützerinstinkt wach – und er bietet ihr und ihrer Familie Obdach bei seinen Eltern an, wo sie sicher sein könnten. Die Hellers lehnen jedoch sein Angebot ab. Tapfer erklären sie, dass nichts passieren und dieser Ausnahmezustand in ein paar Tagen vorbei sein werde.

Wochenschau: Drei Tage nach ihrem Einmarsch verhaften und exekutieren die SS-Einsatztruppen 40 Professoren und deren Familien. Unter der deutschen Besatzung werden die Oberschulen und Universitäten geschlossen.

Das Fleckfieber-Institut wird offiziell dem Oberkommando des Heeres unterstellt. Dadurch kann Weigl erreichen, dass seine Angestellten einen Arbeitsausweis, der Schutz vor Verfolgung bietet, erhalten. Unglücklicherweise verliert Stefan seinen Job im Fuhrpark. Noch bevor Weigl ihm erneut helfen kann, beschließt Stefan, wenn auch widerstrebend, sich zu den arbeitslos gewordenen Professoren zu gesellen. Diese haben sich mit ihrem Arbeitsausweis als „Läusefütterer" den Schutz vor Verhaftung und Schlimmerem erworben.

Um möglichst vielen Schutzsuchenden zu dem begehrten Dokument zu verhelfen, erweitert Weigl sein Institut und baut es zu einer regelrechten Produktionsstätte um.

Im Labor scheint die Welt in Ordnung zu sein. Doch als Janek eines Morgens Wehrmachtssoldaten im Institut sieht, überkommt ihn ein ungutes Gefühl. Und zu Recht. Hinter verschlossenen Türen unterbreitet WEHRMACHTSOFFIZIER OBERST DR. HARTIG dem Professor ein noch verlockenderes Angebot als jenes von Nikita Chruschtschow. Obwohl Weigl klar ist, dass Hartig sehr wohl in der Lage ist, ihn auch unter Zwang „heim ins Reich zu holen", gelingt es dem von der KuK-Kultur geprägten Weigl in charmant österreichisch gefärbtem Deutsch, Hartig von dessen Idee abzubringen. Weigl macht ihm klar, dass er mit den Deutschen gerne kooperieren wolle, aber Lwów nicht verlassen könne. Janek, der vom Nebenraum aus das Gespräch heimlich belauscht, ist voller Bewunderung, wie Weigl es erneut geschafft hat, sich gegen die Besatzer durchzusetzen.

Dank der "neuen Mitarbeiter" entwickelt sich das Institut zu einem intellektuellen Zentrum. Nicht selten kommt es vor, dass die „Läusefütterer" während ihrer hitzigen akademischen Diskussionen die Zeit völlig vergessen, so dass die Fütterungsdauer überschritten wird und die überfressenen Läuse platzen. Janek hat mehr als genug zu tun, aber das ist auch gut so. Gelegentlich wird er von Professoren, die sich aktiv am Widerstand beteiligen, aufgefordert, sich ebenfalls zu engagieren. Doch jedes Mal lehnt Janek ab, weil er keine Zeit habe und die Forschung Vorrang hat.

Zuhause erzählt Janek Pawel, wie sehr er Weigls Assistentin Anna, die seiner Karriere im Weg stehe, verabscheue. Er bittet seinen Freund, ein gutes Wort für ihn bei Weigl einzulegen. Pawel will seinem Freund helfen, doch als er erfährt, wie Anna und andere „Läusefütterer" als Kuriere illegal produzierten Impfstoffüberschuss zu Bedürftigen im Lande schmuggeln, versteht er, warum sie bei Weigl einen solch hohen Stellenwert hat.

Janek will jedoch keine Heldengeschichten über Anna hören und ist von Pawel ent-täuscht. Er wirft ihm vor, undankbar zu sein und seine Freundschaft betrogen zu haben.

Am nächsten Tag wird Janek von Weigl ins Büro gerufen. Seine Hoffnung, für seine Arbeit gelobt zu werden, verpuffen als der Professor ihm stattdessen von den mittlerweile von Deutschen eingerichteten jüdischen Ghettos erzählt. Schließlich fragt er Janek, ob er bereit sei, Impfstoff in das von Fleckfieber befallene Warschauer Ghetto zu bringen. Da Janek nun begriffen hat, dass dies der beste Weg ist, Weigls Anerkennung zu erringen, stimmt er zu.

Doch sobald Janek den Zug bestiegen hat, bereut er seine Entscheidung. Die Reise nach Warschau scheint sich endlos hinzuziehen, und seine Angst vor Kontrollen ist nahezu unerträglich. Als er endlich das Paket bei einem Gewährsmann abgeben kann, ist er erleichtert - und gleichzeitig auch sehr stolz.

Auf dem Rückweg zum Warschauer Bahnhof treibt Janek die Neugier bis vor das Tor des Ghettos. Dort erlebt er, wie ein alter Mann mit einem Judenstern am Revers brutal zusammengeschlagen und abgeführt wird.

Diese Gewaltszene lässt Janek nicht mehr los. Wieder zurück gesteht er Weigl kleinlaut, dass er sich für solche Aufgaben nicht besonders eigne. Abends schließt er mit Pawel Frieden, denn er braucht jemanden zum Reden.

Wochenschau: Ein deutsch-italienisches Truppenkontingent samt ihres Offizierskorps zieht in Lwów ein.

Die Ankunft der Offiziere verändert Teresas Leben. Ihre Sehnsucht nach der „guten alten Zeit" und ihre durch die Oper gewonnenen Sprachkenntnisse lassen sie schnell Brücken zu den charmanten und lebenslustigen Besatzern schlagen. Zum ersten Mal seit Kriegsausbruch beschließt sie, eine Party zu geben.

Die italienischen Offiziere bringen lange nicht mehr gesehene Köstlichkeiten mit. Einige haben auch ihre lokalen Mätressen dabei. Teresa versucht, diese gesellschaftlich unakzeptablen Kurtisanen zu ignorieren, zumal sie weiß, dass zwei der Frauen Jüdinnen sind. Beiläufig entschlüpft ihr eine antisemitische Bemerkung. Stefan und Barbara schauen betreten zu Boden. Janek ist entsetzt und will das Verhalten seiner Mutter nicht mehr hinnehmen, aber er findet nicht den Mut, ihre rassistische Haltung zu kritisieren. Stattdessen steht er demonstrativ auf und verlässt mit Pawel, den er stützen muss, die Party.

Janek hat wenig Zeit für seinen kranken Freund. Zu sehr nimmt ihn seine Arbeit in Anspruch. Während er mit seinen Läusen arbeitet, springt Lea gerne als Hilfe ein. Sie ist überglücklich, ihren großen Bruder wieder in ihrer Nähe zu haben. Janek ist eifersüchtig, wenn er Pawel und Lea bei seiner Heimkehr abends so eng zusammen sieht. Meist findet er sie dann in höchst emotionale Gespräche über den Widerstand vertieft. Aber seit Janek von der grausamen Folterung einer Bekannten erfahren hat, will er mit Untergrundaktivitäten erst recht nichts zu tun haben.

Weigls Ehefrau Sybila erfährt von der Affäre ihres Mannes mit Anna. Unfähig diese Schmach zu ertragen, nimmt sie sich das Leben. Die Nachricht von ihrem Selbstmord trifft Janek wie ein Schlag. Janek gibt sofort Anna alle Schuld für diese unfassbare Tragödie. Als er am Abend zu Hause Pawel und Lea bei neckischen Spielen antrifft, verliert Janek die Fassung und wirft Lea aus der Wohnung. Pawel versucht, Janeks Frauenbild zu berichtigen und gesteht, dass er ohne Lea sich schon längst umgebracht hätte, weil er das Leben als Krüppel nicht mehr ertragen könne. Janek stellt sich stur und weigert sich, sich bei Lea zu entschuldigen.

Wochenschau: Die Deutschen befehlen die Deportation aller Juden in das Ghetto von Lwów.

Lea ist über die Nachricht so sehr verbittert, dass sie sich sogar weigert, sich von Pawel zu verabschieden. Ihr Weggang stürzt Janek und Pawel in eine tiefe Krise. Janek ist überwältigt von Schuldgefühlen und bereut sein Benehmen. Zu spät.

Pawel klagt über eine Zunahme der Schmerzen. Er bittet er Janek, Morphium für ihn zu besorgen. Ratlos wendet dieser sich an seine Schwester Barbara, die offenbar alles beschaffen kann. Als sie zynisch fragt, warum er ausgerechnet sie um Hilfe bitte, wo er sie doch mit allem allein gelassen habe, verspricht Janek schuldbewusst, wieder mehr Zeit mit der Familie zu verbringen - sobald es Pawel besser gehe.

Doch Pawels Gesundheitszustand verschlechtert sich zunehmend, und seine Schmerzen nehmen zu. Als er von einem Augenzeugen erfährt, auf welch elende Weise Jola und seine Mutter im Arbeitslager in der kasachischen Steppe gestorben sind, findet er keine Kraft mehr, dem Leben etwas Positives abzugewinnen.

Während Pawel mit Morphium in den Rausch flüchtet, vergräbt sich Janek, unfähig seinem Freund zu helfen, wie immer in seine Arbeit. Als ihm eines Tages ein wissenschaftlicher Durchbruch gelingt und er am Abend stolz nach Hause kommt, findet er Pawel tot im Wohnzimmer. Eine Überdosis Morphium hat dem entkräfteten Körper den Todesstoß versetzt. Janek steht unter Schock, als sein bester Freund weggetragen wird.

Pawels Tod verändert Janeks Leben. Nach einer schlaflosen Nacht trifft sich Janek am nächsten Tag heimlich mit einem Vertreter der Polnischen Heimatarmee (A.K.) und tritt der Widerstandsbewegung bei.

Janek ist zwar weiterhin im Labor tätig, doch seine Arbeit steht nicht mehr im Mittelpunkt seines Lebens. Gelegentlich arbeitet er sogar mit Anna zusammen und wird von Weigl hin und wieder mit Leitungsfunktionen betraut – jetzt, da ihm dieses nicht mehr so wichtig ist. Die Arbeit im Widerstand erregt sein ganzes Interesse. Er stellt fest, dass sich der Schmerz über den Verlust seiner Freunde in Wut verwandelt und seine Angst verdrängt hat.

Wegen seines zeichnerischen Talents erhält Janek den Auftrag, eine Skizze der Eisenbahnschienen von dem 90 km entfernten Konzentrationslager Belzec (Belz) zu erstellen. Janek nimmt dies zum Anlass, einen Fahrradausflug mit Barbara dorthin zu machen. Auf einem Hügel, mit dem Blick auf das KZ, machen sie Rast. Barbara glaubt, als sein Model zu posieren, während Janek in Wirklichkeit eine Skizze der Schienen und der KZ-Anlage erstellt. In der festen Überzeugung, dass Barbara – wie seine Mutter – auf ihn stolz sein würde, erzählt er ihr von seiner Untergrundtätigkeit. Doch anstatt sich dafür zu begeistern, wirft Barbara ihm vor, ein Egoist zu sein, weil er sich nicht um seine Familie kümmere, vor allem jetzt, da ihr Vater so schwer erkrankt sei. Entsetzt erfährt Janek, dass sein Vater an Krebs erkrankt sei, doch dies bekräftigt gegenüber seiner Schwester umso mehr seine Entschlossenheit, die Familie durch ihn nicht gefährden zu dürfen. Barbara hält dies für eine reine Ausrede. Noch nie hat sich Janek weniger verstanden gefühlt. Die Geschwister trennen sich im Streit.

Wieder in Lwów versucht Janek, seine Familie zu vergessen. Seine diversen Aktivitäten erfordern seine ganze Konzentration. Doch eines nachts verliert er die Kontrolle. Vor seinen Augen werden zwei polnische „Saboteure" von einem SS-Soldaten auf der Straße erschossen. Seine Angst vor Schüssen bewirkt, dass er sich umdreht und wegrennt. Der Soldat bemerkt dies, schießt und erwischt Janek an der Schulter. Trotz der Verletzung gelingt es ihm, dem Soldaten zu entkommen. Schließlich flüchtet er in die elterliche Garage, wo er von seinem geliebten Hausmädchen Hania entdeckt wird. Zu seiner großen Überraschung erfährt Janek, dass sie seit Jahren für den Widerstand arbeitet. Trotz der Schmerzen muss Janek schmunzeln, als er sich vorstellt, wie seine Mutter reagieren würde, wenn sie wüsste, wie vielen „sozial unakzeptablen" Menschen Hania geholfen hat.

Mit Hanias Hilfe gelangt Janek in die Waldhütte ihrer Mitkämpferin, der ukrainischen Marktfrau Wanda Kranik, die nachdem ihr Mann von sowjetischen Soldaten erschossen worden war, dem Widerstand beitrat. Zwischenzeitlich hat sie schon vielen Partisanen der polnischen Heimatarmee (A.K.) Unterschlupf geboten und ihnen das Leben gerettet.

Während seiner Genesung lernt Janek mehr über den Partisanenkampf in den Wäldern. Er bewundert den Mut dieser Menschen, die unter solch schweren Bedingungen zu kämpfen. Andererseits glaubt er, dass seine Forschungsarbeit wichtiger ist, als der Partisanenkampf und beschliesst nach Lwów zurückzukehren.

Gerade als er seine Sachen gepackt hat, erscheint aus heiterem Himmel Lea in seiner Unterkunft. Sie trägt Partisanenkleidung. Als sie ihn auf seine früheren Talente als Bombenbauer anspricht, schwant Janek, dass dies der Grund für Leas plötzliches Auftauchen ist. Sie braucht nicht lange, um Janek zu überzeugen, dass er mit seinen Fähigkeiten von großer Bedeutung für den Partisanenkampf sei. Weil das Glücksgefühl Lea wiederzusehen größer ist, beschließt Janek, bei ihr im Wald zu bleiben.

Angestachelt durch Leas Kampfeswillen und Mut, vollbringt Janek Taten, an die er früher nicht einmal im Traum zu denken gewagt hätte. Als Janek endlich begreift, dass er Lea liebt, offenbart er ihr seine Gefühle. Lea jedoch hat Angst vor Nähe, seit ihr Vater im misslungenen Aufstand des Ghettos umgebracht und ihre Mutter vor ihren Augen erschossen wurde.

Neben Janeks Liebe zu Lea wächst gleichzeitig seine Freundschaft zu drei Mitkämpfern, insbesondere zu LESZEK, der ihm bei der Sprengung eines deutschen Versorgungszuges das Leben rettet. Nach diesem Ereignis erkennt Lea, dass sie Janeks Liebe erwidern kann und will.

Wochenschau: Die Deutschen verlieren den Krieg. Die polnischen Partisanen verdoppeln ihre Bemühungen, ihr Land zu befreien - bevor die Sowjets es tun.

Janek ist voller Optimismus und macht Pläne, mit Lea nach Lwów zurückzukehren und ein neues und normales Leben aufzubauen. Er beschließt, Frieden mit seiner Familie zu schließen und den Familienmitgliedern Lea als seine künftige Frau vorzustellen.

Gleich nach der Ankunft in der elterlichen Wohnung wird Janek zum Bett seines krebskranken Vaters gebracht. Teresa ignoriert Lea, und Stefan erzählt Janek von Gerüchten, dass die Westmächte Stalins Wunsch, Ostpolen in sein Reich einzuver-leiben, nachgeben würden. Der Gedanke an eine Rückkehr dieser sowjetischen Bastarde versetzt Teresa in Rage. Als Janek dann endlich dazu kommt, von der geplanten Hochzeit mit Lea zu erzählen, schaut Barbara ihn nur vorwurfsvoll an: "Und was wird aus mir?". Teresa befiehlt Janek, den Wald und „die da" sofort zu verlassen, um sich endlich um seine Familie zu kümmern. Janek nimmt Leas Hand, schaut seiner Mutter gerade in die Augen und erwidert mit klarer, ruhiger Stimme: „Lea ist meine Familie" und geht.

Janek und Lea heiraten im Wald, umgeben von ihren A.K. Freunden. Nur Hania ist aus Janeks früherem Leben dabei. Obwohl Janek und Lea sehr glücklich sind, vermeiden sie es, über Janeks Familie und ihre gemeinsame Zukunft zu reden.

Wochenschau: Im Frühjahr 1944 dringt die Rote Armee in das Vorkriegsterritorium Polens vor und errichtet dort eine Verwaltung. Unter Vorspiegelung falscher Tatsachen gelingt es ihnen, die polnische Heimatarmee zu entwaffnen und in diverse Gulags zu deportieren.

Als sich die sowjetischen Truppen Lwów nähern, wollen Janek und Lea durch die Front schlüpfen, um im Westen gegen die Deutschen zu kämpfen. Plötzlich überkommen Janek Schuldgefühle. Der Gedanke, seine Familie nie wiederzusehen, wird für ihn unerträglich. Er will nicht mehr kämpfen und ist nicht mehr bereit, sein und Leas Leben dem Krieg zu opfern.

Anfangs weigert sich Lea, nach Lwów zurückzukehren, wo sie relativ sicher in der zwar besetzten, aber dennoch polnischen Stadt leben könnten. Sie und Janek streiten heftig. Das ändert sich jedoch, als Leas Onkel David aus einem sowjetischen Gulag zurückkehrt. Überglücklich, ein Mitglied ihrer Familie wiedergefunden zu haben, will sie ihm ein Zuhause in einer leeren Wohnung in Lwów schaffen.

Zunächst ist Janek froh wieder in Lwów zu sein, denn kann er in der Nähe sein, wenn seiner Familie etwas zustoßen sollte. Doch dann bemerkt er dass Lea mehr Zeit mit David als mit ihm verbringt. Als seine Frau immer wortkarger wird, will Janek wissen, was in ihr vorgehe. Endlich offenbart sie ihm, dass sie hier nicht mehr leben könne. David habe eine Möglichkeit gefunden, mit einer jüdischen Flüchtlingsorganisation nach Amerika auszuwandern, aber es bleibe nicht viel Zeit. Die Sowjets hätten angekündigt, die Grenzen zu schließen. Janek wehrt sich heftig gegen Leas Entscheidung. Er appelliert an Leas Heimatverbundenheit, vor allem jetzt, da sie gemeinsam ein neues, besseres Polen wiederaufbauen könnten. Traurig erklärt sie ihm: „Lwów ist nicht mehr mein Zuhause und Polen ist nicht mehr meine Heimat."

Wochenschau: Die sowjetischen Besatzer stellen sicher, dass die polnischen Bewohner Lwóws hier nicht mehr willkommen sind. Sie organisieren eine sogenannte „Repatriierung", mit der die Polen in die ehemaligen deutschen Gebiete umgesiedelt werden sollen.

Janek, der als der „Bombenexperte" von der NKWD gesucht wird, muss einsehen, dass auch seine Zeit in Lwów abgelaufen ist. Mittlerweile muss sich Janek in der Wohnung eines Freundes versteckt halten. Lea tut alles, um Janek über jüdische Hilfsorganisationen so schnell wie möglich zu den notwendigen Ausreisepapieren zu verhelfen.

Eines nachts sucht ihn PIGOR, einer seiner Partisanenfreunde auf und erzählt, dass einer aus seiner Partisaneneinheit an Fleckfieber erkrankt sei und man nun den Ausbruch einer Epidemie befürchte. Janek bangt um seine Freunde, vor allem um Leszek, dem er seine Leben verdankt. Er bittet Lea, die sich gefahrlos in Lwów bewegen kann, zum Institut zu gehen und von Weigl an Impfstoff zu besorgen. Doch sie kehrt mit leeren Händen und der Nachricht zurück, dass Weigl die Stadt mit den abziehenden Deutschen verlassen habe. Lediglich eine Frau, auf die Annas Beschreibung passt, habe sie in dem verlassenen Labor gesehen. In der folgenden Nacht gelingt es Janek, Anna ausfindig zu machen. Anna besorgt ihm den Impfstoff.

Pigor, der mittlerweile auch Symptome von Fleckfieber zeigt, ist zu schwach, in den Wald zu Leszek und den anderen zurückzukehren. Da Lea in der Stadt bleiben muss, um Janeks illegale Ausreise zu organisieren, lässt sich Janek nicht davon abbringen, seinem Freund den Impfstoff zu bringen, auch wenn er sich selbst damit in große Gefahr begibt.

In einem dramatischen Wettlauf mit der Zeit und unter ständiger Verfolgung durch die Soldaten der NKWD, schafft es Janek schließlich, seinem Freund Leszek den rettenden Impfstoff zu bringen.

Bei seiner Rückkehr, fängt ihn Lea ab: es bleibt ihm lediglich nur eine einzige Stunde um auszureisen. Janek will etwas sagen, doch kein Ton entweicht seinen Lippen. Er kann es nicht fassen: Es gibt keinen Weg zurück; Er muss seine jetzt Heimat verlassen. Ohne von seiner Familie Abschied nehmen zu können, steigen Lea und Janek in den letzten Zug, der die noch offene Grenze passiert.

© 2000 Eva Szybalski

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